Sommer 2015

Mitte Juli laufen wir mit dem Ziel Normandie/ englischer Kanal aus dem Markermeer aus. Maximales Ziel des Törns ist die Gegend der Kanalinseln.

Unterwegs wechselt die Crew in verschiedenen Häfen entlang der französischen Küste.

Auf dieser Seite wollen wir, wenn es die Möglichkeit gibt die Etappen unserer Reise mit einigen Bildern und Texten dokumentieren.



14.7.2015

Wir sind am 11.7. in Mönickendam gestartet. Bei bestem Wetter haben wir den Nordseekanal nach Ijmuiden genommen und haben den Tag am Strand und am Meer ausklingen lassen. Am nächsten Morgen sind wir um 5:00 mit dem Ziel Schevenigen (Den Haag) ausgelaufen. Die Uhrzeit liegt in den Gezeiten begründet, so früh stand die Tide günstig für uns.

Inzwischen sind wir im Scheldegebiet angekommen, nach dem wir bei 7 Bft und 1,5 Meter Welle und Tide gegen uns keine Fahrt mehr über Grund hinbekamen haben wir uns in die Oosterschelde bei Roompot verkrümelt.

Gegen Mittag steht die Tide wieder gut so das wir den nächsten Versuch in Richtung Belgien starten werden...

 

17.07.2015

Am 15.7. haben wir uns dann von der Schelde nach Zeebrügge aufgemacht, allerdings haben wir erst an der Tankstelle unseren Dieselvorrat ergänzt. Nach dem bezahlen im Büro waren wir von einem Motorbootfahrer eingeparkt, der auch keinen Platz machen wollte um uns einfacher rauszulassen. Mit Leinen und viel Erfahrung haben wir uns dann frei manövriert, aber anstatt uns zu helfen hat der Motorbootler nur zugesehen. Wir haben ihm unsere Meinung erklärt und er meinte nur das es doch gepasst hätte. Wir gehen mal davon aus das er nicht mit seinem Boot, trotz Bugstrahlruder umgehen konnte...

Gegen 22:30 haben wir dann in Zeebrügge-Hafen endlich das richtige Becken mit dem Yachthafen gefunden. Das ist sehr schwer weil sehr verworren :-)


Beim Anlegen kamen einige nette Langstreckensegler angelaufen und haben uns geholfen in dem sie die Leinen an Land angenommen haben. Sehr nett, auch der Geheime Code für den Steg und die Toiletten wurde uns gleich mitgeteilt.

Auch das Paar von der "Frya" aus Kobenhaven haben wir dort wieder getroffen, wir lagen in Scheveningen Seite an Seite. Das Wiedersehen haben wir ausgiebig und gemütlich gefeiert, dabei haben wir auch unser Erfahrungen der letzten Etappe ausgetauscht.

Die beiden haben die Starkwindwarnung am Nachmittag des Vortages nicht mitbekommen und so sind sie nach Zeebrügge weitergefahren. Nach 15 Stunden Törn haben sie bei 30 Knoten Wind und 3 Meter Welle Zeebrügge erreicht.

Auch die Beiden sind lange durch den dunklen Hafen gefahren und haben das richtige Becken gesucht. Das Problem ist das die Yachten bei Niedrigwasser hinter den Wänden des Beckens verschwinden und so nicht mehr an den Masten zu erkennen ist, wo sich der Yachthafen verbirgt.

Am nächsten Morgen gingen wir wir dann früh raus um Dunkerque zu erreichen. Frankreich hieß uns mit einem alten Kernkraftwerk und einem Industriegebiet das in die 70er Jahre des Ruhrgebietes gehörte willkommen.

Ob das brennen und kratzen im Hals Einbildung war oder real wollten wir dann lieber nicht wissen.

Gegen 22:00 Uhr waren wir dann im Päckchen fest und die Nachbarn erklärten das sie um 6:00 wieder raus wollten. Wir hatten 2 Abfahrtstermine um Calais und das dortige Kap bei guter Tide zu erreichen, 3:00 morgens und 15:00 nachmittags. Wir haben uns dann für 3:00 entschieden, also nachts, weil wir eh um 6:00 hätten aufstehen müssen um umzuparken.....

 

19.7.2015

Die Hochöfen, oder was immer da an Land bei Dunkerque steht erzeugen alle 2 Stunden einen Feuerschein das die See taghell wird.

Nach dem wir das gut Betonnte Fahrwasser verlassen haben, standen wir wenig später schon im Fahrwasser von Calais. Der Schiffsverkehr war hier aber übersichtlich, wir mussten nur einmal einer Fähre ausweichen. Da sind wir von der Ostsee und Zeebrügge anderes gewöhnt.

Nach dem Kap erreichten wir mit 2 Knoten mitlaufendem Strom und einer neuen Bestgeschwindigkeit von über 9 Knoten Boulogne sur mer in einer sehr guten Zeit.

Boulogne sur mer ist eine nette Stadt mit allen was der Segler so mag. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Rampen die von den Schwimmstegen an Land fuhren. Trotz einer enormen Länge ist bei Niedrigwasser die Steigung extrem, man kommt sich vor wie in den Bergen. Auch das bremsen beim Bergab gehen erinnert mich an meine Kinderurlaube dort.

Zwar haben auch die bisherigen Häfen nördlich von Boulogne diese Rampen, doch der Tidenhub von ca. 8 Metern ist extrem mehr als bisher.

Unser Bordhund hatte auch seinen lieben Schwierigkeiten auf den Brettern mit den Krallen halt zu finden.

 

Am 19. sind wir dann wieder raus nach Dieppe gelaufen, das wir nach einem perfektem Segeltag und 7 Knoten Durchschnitt erreicht haben. In der Hafeneinfahrt trieb dann eine holländische Yacht die uns um Hilfe bat.

Der Motor, auf der Yacht, sei defekt und ob wir sie in den Hafen schleppen könnten. Wir waren etwas verwundert weil die Yacht Funk an Bord hatte und eigentlich einen Schlepper von innen hätte rufen können. Natürlich haben wir geholfen, aber wir mussten auch die gesamte Koordination des Einsatzes übernehmen. So forderten wir die beiden auf der Yacht erst einmal auf Ihr Segel herunter zu nehmen, das war alles nicht so einfach weil der Skipper kein englisch und kein deutsch sprach, die Bordfrau immer hin englisch verstand aber beide sehr wenig Erfahrung im segeln hatten. Einer der Jungs hat dann den Funkverkehr mit der Portcontroll von Dieppe übernommen und wir haben die enge Hafeneinfahrt erst einmal für den gesamten Verkehr gesperrt.


4 mal mussten wir die Schleppleine werfen. Dabei hat sie jedes mal perfekt getroffen, aber die beiden waren nicht in der Lage die Leine festzuhalten, beim letzten Versuch haben wir dann einen Fender angeknotet und sie aufgefordert diesen mit einem Bootshaken aufzufischen. Wir waren nur wenig überrascht als sie erklärten sie hätten keinen. So haben wir dann mit 2 Leuten den Fender samt Leine geworfen und dieser hat sich dann im Cockpit verhakt. Eine gefühlte Unendlichkeit später war der Fender ab geknotet und die Leine am Vorschiff belegt. So konnten wir langsame Fahrt in den Vorhafen aufnehmen. Leider war der Skipper auf dem anderen Boot auch nicht wirklich geübt im abgeschleppt werden. Und durch den Törn ziemlich am Ende.


Weitere Stress kam durch die Strömung vor der Einfahrt von 1,5 Knoten hinzu. Solange wir da die Positionen zueinander halten mussten, trieben wir in Richtung Land und weiter vor die Einfahrt.

Da wir noch nie in Dieppe waren und auch nicht wussten ob wir weitere Unterstützung bekommen, haben wir die Yacht im Vorhafen Längsseits genommen um mit dem Paket besser manövrieren zu können. Leider war diese Procedure dem Kollegen auch nicht bekannt und die ganze Aktion dauert einige Zeit. In der Zeit war der Hafen zu, die Portcontroll hat alle Lampe auf "Rot" geschaltet und den Fährverkehr gestoppt.

An dieser Stelle vielen Dank an die Kollegen dort. Die hatten einen guten Blick und sich wohl auch nicht gelangweilt.


Als wir die Yacht endlich passend fixiert hatten ging es mit 4 Knoten in den Yachthafen. Durch unsere Schallsignale, um den Verkehr in den Einfahrten zu warnen, hatten wir im Hafen auch schon den Hafenmeister im Beiboot und die anderen Segler kamen schnell herbei um den Havaristen in Empfang zunehmen. Die kleinen privaten Angelboote störten sich übrigens nicht sehr an unserem Manöver und so gab es zu Erschwerung einigen Sog und Wellenschlag dieser freundlichen Angler.

Abends kamen die Beiden dann mit einer Flasche Rotwein vorbei und haben sich sehr für die Operation bedankt.

 

Zu diesem Einsatz liegen keine Bilder vor. :-)

(Waren wohl im Stress, die GoPro war auf der falschen Seite montiert, hat aber vielleicht Aufnahmen gemacht.)

 

22.07.2015

Dieppe nach Le Havre
Dieses Land ist aus Sicht des Mobilen - Internets ein reines Entwicklungsland. Die Verbindungen klappen oft gar nicht oder sind sehr instabil. Darum gibt es hier auf der Seite nur relativ selten updates.

Inzwischen haben wir einen Hafentag in Dieppe eingelegt und mal die ersten Sachen im Waschsalon gewaschen. Gewöhnen muss ich mich erst an die an der hiesigen Küste üblichen Muscheln mit Fritten.
Die gibt es überall und schmecken sehr gut. Aber die Kombination finde ich merkwürdig. In meiner Kindheit gab es Muscheln immer mit Brot. Und zu dem auch eher selten :-)

Auf dem Weg nach Fecamp hatten wir mal wieder nicht das vorhergesagte Wetter von umlaufenden Winden der Stärke 2, sondern ausgewachsene 5 Windstäken und recht schweren Seegang.
Kurz vor Fecamp haben wir Notruf und Notsignale von einem kleinem Motorboot aufgefangen. Der Hobbyfischer hatte Motorausfall auf Legerwall und ist dann in das flache Wasser getrieben. Dort schlug er Leck.
Der Rettungskreutzer und ein Schlauchboot der Retter übernahm das abbergen und sichern des Bootes. Einigen Stunden später kamen die in den Hafen und haben das Boot sofort aus dem Wasser gekrant.
In Fecamp haben wir die Franziskaner Abtei besucht, die haben ein tolles Geschäftsmodell entdeckt, bei dem sie Likör destillieren und Verkaufen. Die Kirchen in Fecamp sahen erstaunlich gut in Schuss aus. Normalerweise sind diese recht heruntergekommen und bestenfalls Sanierungsbedürftig. In Fecamp hat die Kirche aber eine Steuer auf jeden Fisch der gefangen wurde erlassen und so wohl ausreichende finanzielle Gelder um die Kirchen in Schuss zu halten. Das ist aber nur eine Vermutung.
Nach einem halben Hafen Tag in Fecamp sind wir dann nach le Havre weitergedampft. Diesmal bei kompletter Flaute. Unser eigentliches Ziel Honfleur können wir nur 2 Stunden vor Hochwasser sinnvoll erreichen. Das Zeitfenster war aber zu klein von Fecamp aus, so dass wir gegen den Strom hätten fahren müssen.
So sind wir hier gelandet. Eine recht aufgeräumte und ordentliche Großstadt auf den ersten Blick. Für einen zweiten hatten wir noch keine Zeit....


Sehr angenehm ist es das sich die Aus- und Einlaufzeiten in diesem Revier sehr unterscheiden. In der Ostsee und dem Ijsselmeer fahren alle Morgens zwischen 8:00 und 10:00 raus und ab 14:00 beginnt das Einlaufrennen.
In diesem Revier bestimmen die Gezeiten den Rhythmus, hier starten und kommen die Yachten den ganzen Tag über. Man kann an den Zeiten aber erraten wo es hingeht. Wobei die Länge des Törns natürlich auch entscheiden ist. Fahre ich nur kurz ist der Augenblickliche Strom relevanter. Mache ich einen langen Schlag ist der Strom an den Kaps wichtiger.
Chartercrews sind hier auch nicht mehr anzutreffen, meistens fahren hier Pärchen auf den Schiffen zusammen.

Beim Cappuccino sind wir seit einigen Tagen dazu übergegangen diesen an Bord zu machen. In den Bars trinken wir dann nur noch Espresso. Die Erfahrungen mit den anderen Kaffeespezialitäten an Land liegen uns eher weniger.
So, jetzt ist es Zeit für das Frühstück und die Fahrt nach Honfleur.

 

Ab 23.7.2015

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