Zeebrügge nach Cherbourg

Sonntag, 03.07.2016

 

Es geht los….

 

 

 

Nach den üblich viele Vorbereitungen werden wir am Montag zu unserem sechswöchigen Törn starten. Dabei haben wir an das packen der Koffer, wie das so viele pauschal Reisende machen, keine Gedanken verschwendet. Wie in all den Jahren zuvor höre ich immer wieder mal das daß alles viel Arbeit sei. Sicher ist, so einen Törn in ein recht schwieriges Revier bedarf viel Vorbereitung und auch unterwegs muss vieles bedacht werden. Aber in meinen Augen gehört diese Art von Stress mit zu der Erholungsphase eines gelungenen Urlaubes. Meine Erfahrung ist das ein Urlaub am Hotelpool sicherlich entspannend sein kann, aber der Erholungswert sich erst später einstellt. Bei einem Segeltörn ist das anders. Schon wenn ich überlege wo es als nächstes Hingehen kann, tauche ich aus der stressigen „Umwelt“ aus und konzentriere mich auf eine andere ruhigere Welt. Diese hat klare Regeln und wenn man dagegen verstößt hat direkte Konsequenzen.

 

So wird auch am Montag wieder sein, wenn wir am Hafen angekommen sind. Zuerst gibt es viel Arbeit und Hektik. Aber wir sind in einer neuen Welt mit allem drum und dran. Und so wird es nur wenige Augenblicke dauern bis mir die Alltagsprobleme wie von einem anderem Stern vorkommen werden…

 

So genieße ich dann die Aufregung und die Gewissheit auf eine erholsame Zeit.

 

 

Das Wetter soll ja eine Hochdruckbrücke von den Azoren aus ausbilden. Das würde eher Sonnenschein und mäßigen Wind bedeuten, Allerdings aus westlicher Richtung… schauen wir mal ob wir uns da lang schleichen können. Bleibt noch die Frage ob wir die englische Küste oder die französische nehmen….

 

Ach so, die Route führt uns entweder nach Fecamp oder leHavre mit einem langem Schlag nach Cherbourg, oder Alternative von der Isle of Wight nach Cherbourg. Das müssen wir schauen wie der Wind sich am Dienstag und Mittwoch entwickelt und was dann die Prognosen sagen…

 

 

 

Am Donnerstag werden wir versuchen das EM Halbfinale zu schauen, entweder per Internet oder in einer Kneipe. Wenn es Frankreich – Deutschland wird, ist vielleicht die englische Variante sicherer?

 

Je nach dem wer gewinnt :-)

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeebrügge im Hafen....

Dienstag, 5.7.2016

 

Durch die Angekündigten 5 bis 7 Bft aus SW mit 2,5 Meter Welle haben wir entschieden erst einmal im Hafen zu bleiben. Heute Abend soll es bis ungefähr Mitternacht nur eine Windstärke geben. Die werden wir nutzen. Zwar lässt der Wind schon gegen Mittag nach, aber da passt dann die Strömung nicht, und der immer noch kräftige Wind wird uns zusätzlich ziemlich bremsen. Also gehen wir gegen 19:00 raus, ab 20:00 haben wir den Strom mit uns und wir hoffen mal das wir vor dem nächsten Starkwind in der Nacht in Dünkirchen sind. Ich nehme an das es sich dabei um die Kaltfront handelt.

 

Wenn das alles durch ist, segeln wir laut Vorhersage in einen Azorenhochkeil, also der kommt uns entgegen und wir wohl dann im Kanal das Wetter bestimmen.

 

Geplant ist das wir gegen 7:00 wieder rausgehen werden, das Ziel lautet dann Boulogne sur mer….

 

Gestern sind wir gegen 11:00 nach Zeebrügge aufgebrochen, die Party vom Sonntag spürte ich noch ordentlich, Felix hat dann mal nicht das Lenkrad wegen dem Restalkohol übernommen. Der restliche Tag war dann wie immer der erste Tag mit Crew. Also Einkaufen, Auto ausräumen, Sicherheitseinweisung, arbeiten am Schiff, etc… Gegen kurz nach 22:00 war ich dann im Bett…

 

 

 

Mittwoch, 6.7.2016

 

Um 1:30 waren wir heute Dünkirchen, heute früher Morgen. Leider wollten die Nachbarlieger schon um 5:30 wieder raus. So sind wir sofort ins Bett gefallen. Gegen 5:10 wurden die Nachbarn dann renitent und haben wie verrückt geklopft. Auf meine Nachfrage das sie doch erst um 5.30 raus wollten kam die Antwort ja, in 5 Minuten…. Also sind wir dann raus und haben draußen gefrühstückt. Der Wind schlief dann später immer weiter ein und so waren wir unter Motor gegen 11:30 in Boulogne sur mer. Nach dem Festmachen und einklarieren ging es dann erst einmal einige Stunden ins Bett.

 

Morgen geht es gegen 6:00 raus weiter nach Dieppe. Der Wetterbericht verspricht 2 Windstärker aus verschiedenen Richtungen…

 

Donnerstag, 7.7.2016
Nach dem wir recht früh raus sind waren wir einigen Stunden unter Motor in Richtung Dieppe unterwegs. Der Wind war nur mit einer Windstärke anwesend und kam genau von vorn. In Dieppe angekommen war das Signal der Hafeneinfahrt, recht grundlos, auf Rot. Auf 5 maliges rufen der Port Control kam ein Boot des Yachthafens mit einem lustlosen Mitarbeiter angefahren. Eine Antwort über UKW war nicht zu bekommen. Dafür wurde viel und lange über den Kanal gequatscht. Aber alles auf französisch. Na ja, der Mensch im kleinen Bötchen befragte mich dann was wir machen wenn die Ampel auf Rot ist. Ich erklärte Ihm das ich vor dem Signal warte und per Funk Anfrage wie lange das dauern wird. And er sich ändernderden Gesichtsfarbe bemerkte ich das dies wohl nicht die korrekte Antwort war, Na auf jeden Fall wurde mir erklärt das die Signale zu meiner eigenen Sicherheit auf Rot wären. Also drehten wir Kreise im Vorhafen. Als nächstes wollte der Mensch wissen was ich den am Signalmast sehen würde, ich erklärte ihm Rot/ Orange/ Rot. Natürlich sollte das 3 x Rot sein. Aber die mittlere Ampel zeigte tatsächlich Orange. Und das würde ich leider nicht Signalbuch finden…..
In einem nettem ausflippen erklärte der Mensch nun das ich ihm seine Mittagspause kaputt machen würde. Der Hafenbeauftragte musste ja nun mit uns warten, er kann ja nicht einfach durchfahren  Das erregte ihn noch mehr und er fand unsere Position bei den Wartekreisen nicht ok. Denn wenn nun eine Fähre kommen würde, auch meine Erklärung das die Fähre noch ca. 15 Sm entfernt wäre und er gerne auf unserem System dies kontrollieren dürfe brauchte seinen Blutdruck nicht wesentlich nach unten.
Ich entschloss mich das wir in dieser schönen Lage ja einfahren in eine Hafeneinfahrt unter Strömungsbedingungen üben könnten und so liefen wir ab, drehten draussen und kamen wieder rein.
Die Portcontrol hatte dann ein Einsehen und schaltete die Signal auf grün/ grün/ weiß….
Der Rest des Anlegers lief wie immer ruhig und profihaft ab, auch von den drei Beschäftigten des Yachthafens….
Am Abend suchten wir dann noch einen kleinen Irisch Pub auf, um das Halbfinale Deutschland/ Frankreich zu sehen. Meiner Meinung haben die Deutschen gut gespielt und ordentlich Pech gehabt. Die Franzosen entsprechendes Glück. Aber das hat sie nicht davon abgehalten die halbe Nacht hupend um das Hafenbecken zufahren.


Freitag 8.7.20106
Eigentlich wollten wir um 5:0 starten. Aber die Nacht und der Alkohol haben dafür gesorgt das wir erst einmal eine Stunde verschlafen haben.
Durch die fehlende Stunde hat sich der Törn dann mal um 2,5 Stunden verlängert, weil die Tide gekippt ist und wir bei 2 Knoten Strom gegen an mussten…
Mittags waren wir dann in Fecamp, die Wetterlage sieht so aus, das für die nächsten Tage, morgen  das beste Wetter ist. Nicht sehr gut, aber gut genug. Also werden wir vermutlich Morgen Cherbourg anlaufen….

In Dieppe und Fecamp war leider nichts mit dem Internet anzufangen, keine Chance da online zu kommen. Darum geht erst jetzt der Blog weiter….

 

Auf nach Cherbourg...

Samstag, 9.7.2016

 

Gestern warten die "Nachbarn" aus Köln noch zu Besuch, war ein netter Plausch bei einigen Dosen Gerstenschorle. Aber um Mitternacht wollten dann doch alle in die Koje. Nach einem kurzem Ausschlafen ging es bei Niedrigwasser an die Tankstelle. Eigentlich sollte es überall im Hafen mindestens 2,8 Meter tief sein. Aber irgendwie war jurz vor dem Tanksteiger ein Flach, so mussten wir erst einmal etwas wackeln um halbwegs an den Steg zu kommen. Dafür lagen wir dann dort ruhig. :-)

 

Nach dem Tanken ging es um 10:30 raus in Richtung Cherbourg. Leider zwang uns der WSW Wind zum aufkreutzen. Die Strömung war in den ersten Stunden auch gegen uns, das war aber auch so geplant, den in einem Zeitfenster schafft man diese Strecke nicht. Glücklicherweise drehte der Wind dann später auf die Versprochene SW-liche Richtung und wir konnten halbwegs direkt Cherbourg anlaufen. Aber wir waren durch das aufkreutzen schon 2 Stunden hinter unserem "Terminplan her". In den  nächsten Stunden zwang uns der Gegenstrom zu einer Geschwindigkeit von 3,5 Knoten. Langsamer als geplant. Am frühen Nachmittag kenterte der Strom dann endlich und wir liefen wieder mit den gewohnten 8 Knoten in Richtung Kap Barfleur.

 

Kurz hinter dem Kap, um 22:00 kenterte der Strom wieder und so zogen sich die nächsten 8 Meilen bei nur 2,7 Knoten Fahrt über Grund sehr zäh dahin.

 

Dann waren wir aber tief genug in der Bucht von Cherbourg, so dass der Strom mehr und mehr nachließ und wir gegen Mitternacht bei Schleichfahrt Ordnung in die Lichter der Häfen von Cherbourg bringen konnten. Um 1:30 waren wir dann endlich am Wartepier fest und gingen, nach  einem schnellem "Einlauf-Bier" ins Bett.

 

Am nächsten Morgen schliefen wir erst einmal aus und suchten uns dann später einen netten Liegeplatz für die nächsten 2 Wochen....

 

Cherbourg, graue Stadt am Meer....

 

Sonntag, 10.7.2016

 

Nachdem wir ausgeschlafen haben, wurde wir erst einmal recht herzlich vom Hafenmeisterboot begrüßt. Schnell hatten wir geklärt wo wir Diesel tanken können und welchen Liegeplatz wir nehmen sollen. Nach dem einklarieren gab es dann erst einmal eine Dusche für das Schiff und uns. Das war dringend nötig….

 

Ein erster Ausflug führte uns in die Stadt von Cherbourg und die ziemlich verbaute Kirche am Hafen.  In der Stadt waren die Leute damit beschäftigt die Leinwand für das Endspiel aufzubauen.

 

Da unser Mitsegler von hieraus nach Hause fahren möchte, haben wir schon mal den Bahnhof besucht und waren etwas irritiert wegen dem Plakat zum Thema „Verhalten bei Terrorangriffen“

 

 

Wir brauchen offenbar ein Sofa…

 

Wieder an Bord zurück gab es erst einmal Abendbrot und dann wollten wir in die Stadt um das Endspiel zu schauen. Schon vor dem Spiel versammelten sich viele Leute auf dem Marktplatz. Aber die Taschen wurden nicht kontrolliert, Glas war erlaubt und auch sonst lief dort nur wenig Security Streife. Also sind die Leute hier ja doch ganz entspannt.

 

Eine Merkwürdige Art, vor lauter Langerweile, dauernd auf irgendwelchen Hörnern herumzutröten. Es war auf jeden Fall sehr laut. Stimmungsvoll war der Augenblick als viele in die Nationalhymne einstimmten. Es klang so gut das der Eindruck entstand das hier die Kinder in der Schule die Hymne üben würden. Ein ziemlich schlechten Eindruck habe die Franzosen wieder gemacht als Ronaldo vom Platz getragen werden musste. Erst hatte die eigene Mannschaft der Franzosen ihm das Knie kaputt getreten und dann freut sich der Mob das er schmerzen hat und nicht mehr spielen kann. Bei dem Spiel gegen Deutschland war das genauso.

 

Also nicht ein zurückhaltendes freuen, das der Spieler eine arme Sau ist aber man es jetzt vielleicht leichter hätte. Nein, böswilliges freuen über die Schmerzen und Probleme.

 

Sehr gefreut hat uns dann das Portugal gewonnen hat. Obwohl Frankreich dieses Mal besser war als der Gegner. Halt andersherum als beim letzten Spiel…

 

Friedlich zogen die Zuschauer dann etwas bedröppert wieder nach Hause…

 

So zogen wir auch ab und haben an Bord noch den Sieg der Portogiesen gefeiert.

 

 

 Montag, 11.07.2016

 

Heute haben wir einen ersten längeren Ausflug nach Cherbourg gemacht. Außer tollen Museen soll es hier auch einen super Park mit mediterraner Botanik geben. Inzwischen haben wir den Eindruck dabei handelt es sich um den Park am Hafen, durch den sind schon 5 mal gelaufen. J

 

Einen sehr guten Ausblick soll man von der Festung „Fort du Roule“ haben. Also sind wir da rauf gelaufen. Die Aussicht ist Klasse, aber ein Highlight liegt auf dem Weg. Eine alte Bunkeranlage von den Deutschen aus dem 2. Weltkrieg. Diese gehörte zur „Festung Cherbourg“ (die heißt tatsächlich auch in Frankreich so). Die Tunnel können mit Führung besichtigt werden und die nächste freie Führung ohne anmelden startet in 30 Minuten. Davon gibt es auch nur eine pro Tag.

 

Mit Helm und Stirnlampe gingen wir als Höhlenforscher in die Unterwelt. Was man als Segler alles können muss…

 

 

Von hier aus konnten 4 Kanonen bis auf 13 Sm weit in die Bucht von Cherbourg feuern. Das mit einer Genauigkeit von einem Meter. Der Guide war sichtlich beeindruckt von deutschem Engineering. 

 

An Bord zurück feierten wir dann Abschied von unserem schweizerischem Mitsegler. Der leider am nächsten Morgen zurück in die Schweiz musste.

 

 

Dienstag, 12.7.2016

 

Nach dem Frühstück mussten wir erst einmal Einkaufen gehen. Unsere Großschot hat bei dem Seegang und starkem Wind arg gelitten und muss erneuert werden.

 

Auch soll die Außenduschen endlich warmes Wasser bekommen…. Also machen wir heute einen Arbeitstag. Zur Kaffeepause haben wir uns nach Maces verholt. Hier haben wir endlich ein stabiles Internet und ich kann die Texte und Bilder sortieren und hochladen.

 

Früher gingen wir wegen den Kindern und der Spielecke zu MC heute wegen dem Internet… so ändern sich die Zeiten…

 

Später werden wir noch packen und Morgen geht es dann ein paar Tage nach Hause. In erster Linie wegen einiger wichtiger Termin und um die Autos an Cherbourg heranzuführen.

 

Am 22.7.2016 starten wir dann zum nächsten Teil in Richtung Roscoff, mitten in der Bretagne….

 

Weitere Eindrücke...