Törn im Mai....

24.5.2016 Zeebrügge, Schiffseinweisung die 102.

 

Um den Staus zu entgehen sind wir auf die geniale Praxis gekommen einfach einen Tag früher loszufahren. So waren schon am Dienstag gegen 14:00 am Schiff und sind erst einmal eingezogen.  Nach einer 2 stündigen Schiffseinweisung, gab es erst einmal einen Kaffee und eine Besprechung wo wir so hinfahren könnten. Die Wetterlage droht mit „unkontrollierten Konvektionen“ also Unwetter und Gewitterrisiken, aber im ganzen sah es recht passend aus. Da wir 2  „Lehrlinge“ zu höheren Segelscheinen mit genommen haben, gab es erst einmal die Aufgabe für die beiden die nächsten Tage zu planen….

 

 

 

Nach dem Abendessen, Kartoffelgratin mit Rosenkohl in Speck/ Zwiebelsoße und Bratwurst, haben wir den Abend bei dem einen oder anderem Bier ausklingen lassen.

 

 

25.5.2016 Zeebrügge nach Dünkirchen, oder die Flut wartet nicht…

 

Gegen 5:00 (Morgens :-) ) war die Nacht zu Ende, nach einem schnellem Frühstück legten wird ab. Ab 7:30 sollte die Strömung vor dem Hafen für uns günstig stehen. Mit 1 bis 2 Knoten Schiebestrom ging es dann mit 8 Knoten über Grund Richtung Dünkirchen. Nach 7 Stunden war unser Zeitfenster wieder zu und wir standen kurz vor der Hafeneinfahrt. Dabei haben wir unsere Sicherheitsmanöver geübt und ansonsten uns ziemlich beeilt.

 

 

 

Vor Nieuwpoort hat uns dann das Sicherungsboot des Belgischen Militärs gebeten etwas weiter von der Küste entfernt zu fahren, da in dem Gebiet im Augenblick Manöver abgehalten werden würden. Wir kamen der Bitte dann mal nach, schließlich waren wir in friedlicher Mission unterwegs….

 

Dunkirke

 

Direkt neben unserem Liegeplatz stehen diese Häuser eines Architektentraumes, wir haben die dann mal „Die Schlümpfe“ genannt...

Und Action...

 

In Dünkirchen angekommen konnten wir Aufnahmen zu einem Actionfilm, mit der tollem Titel „Dünkirchen“ erleben. In dem Streifen werden wohl 338.000 Soldaten der Briten aus Belgien gerettet. Wir vermuten es geht um das Jahr 1940. J

 

 

 

Im Sommer 2017 soll der Streifen in die Kinos kommen und wir segeln mit drinnen… J

 

 

 

Morgen geht es gegen 8:00 raus. Wir werden versuchen die Verkehrstrennungsgebiete und den Kanal zu kreuzten….

 

 

 

26.5.2016 Auf nach Dover

 

Eine aufregende Kulisse bildeten die Rauchschwaden und Kriegsschiffe aus dem 1. Weltkrieg die bei der Ausfahrt schnell hinter uns blieben. Es machte schon den Eindruck als ob wir nach alter Wikingersitte die besuchte Dörfer niederbrennen würden und dann weiterziehen.

 

 

 

Die Industrieanlagen von Dünkirchen begleiteten uns mit ihren ungefilterten Abgasen wie immer an diesem Küstenabschnitt. Nach ca. 2,5 Stunden und einem kräftig mitschiebenden Strom hatte wir unser Manöverpunkt erreicht. Hier wollte wir wie vorgeschrieben im Rechtenwinkel die Einbahnwege des Verkehrstrennungsgebietes queren. Der Eindruck das wir, ähnlich wie Fußgänger, eine Autobahn überqueren wollten drängt sich gerade zu auf.

 

 

 

Um die Kommunikation mit dem Navi-Platz zu verbessern holten wir die Teamfunkgeräte aus dem Schrank und machten uns an die Querung. Dabei ist der erst Fahrstreifen ca. 5 Sm breit. Hier fahren die Großschiffe mit hoher Geschwindigkeit, ca. 15 bis 25 Knoten und haben dabei Vorfahrt. Wir versuchten mit unseren 6 Knoten Fahrt diesen Weg zu kreuzten. Der Strom wird bei diesen Vorhaben nicht berücksichtigt, er setzt quer zur Richtung die wir nehmen müssen. Da wir das aber unseren Einstiegspunkt so geplant haben das der Strom uns in Richtung Dover versetzt, hilft er am Ende doch recht gut mit.

 

Erschwerend kommt hinzu das die Fähren nach Dover ebenfalls die Verkehrswege kreuzten müssen. Die sind wiederum auch sehr schnell, weichen uns aber recht gut aus.

 

 

 

Glücklicherweise hilft Heute der Kartenplotter und das AIS System, früher war es bedeutend gefährlicher und ungewisser ob man Schiffen ausweichen muss. Danke der elektronik und den Computern bekommen wir auf einen Knopfdruck die Angaben zu „CPA“ und „TCPA“. Das ist der „Closest Point of Approach“ und die entsprechende Zeit dazu. Man kann also sehr früh das Tempo drosseln oder erhöhen und so den Kurs beibehalten.

 

Nach einer Stunde erreichten wir die Trennzone. Das ist der Mittelstreifen auf der Autobahn. Hier dürfen wir fahren wie wir möchten, bevor wir wieder auf den vorgeschriebenen Kurs durch den nächsten Einbahnweg gehen. Dieser ist auch „nur“ 4 Sm breit.

 

 

 

Sofort nach dem Trennungsgebiet kamen wir in die Zonen der Ein- und Auslaufenden Fähren nach Dover. Hier müssen wir uns über UKW 2 Sm vor der Hafeneinfahrt anmelden. Dann läuft es ähnlich wie auf einem Flughafen ab. Man bekommt Freigaben oder Warteschleifen angewiesen.

 

 

 

Am frühem Mittag waren wir dann endlich im inneren Hafen von Dover und versuchten einen Liegeplatz vom Yachthafen zu bekommen. Das ging recht schnell. Allerdings haben die Yachties vergessen den richtigen Steg mit einer Bezeichnung zu versehen. Und so eierten wir unter Funkberatung etwas sinnlos durch den Hafen… Aber eine Stunde später lagen wir dann endlich fest und konnten nach der Kaffeepause beginnen Dover zu erkunden.

 

Dover

 

Der Landgang führte uns vom Hafen aus erst einmal zum Strand und dann weiter zum Dover Castle. Die Besichtigung musste aber ausfallen. Nach dem frühem Aufstehen hatte keiner Lust 18 Pfund/ ca. 27 € für den Eintritt pro Person zu zahlen. Also erkundeten wir weiter die Kleinstadt und gingen unser Vorräte ergänzen.

 

27.5. Das ganze Retour

 

Da die Tore zu unserem Hafen nur einige Stunden vor und nach Hochwasser offen sind, der Wind aber auch schlechter für uns stehen sollte, als ursprünglich angekündigt, entschieden wir uns den Rückweg über die gleiche Route wie den Hinweg anzutreten.

 

 

 

Leider ist das Wetter heute sehr diesig, Sichtweite nur 1 bis 2 SM. Das wird eine Herausforderung für die Besatzung am AIS. Glücklicherweise senken die Schiffe im VTG (Verkehrstrennungsgebiet) wegen der Sicht die Fahrt auf ca. 16 Knoten. Das sind aber immer noch ca. 500 m pro Minute. Bei einer Sicht von optimistischen 2 SM macht das ca. 7 Minuten von der ersten Möglichkeit der Sichtung bis zur Kollision. Oder, bei einer ½ bis 1 Sm Sicherheitsabstand, nur 3,5 bis 4,5 Minuten zum Ergreifen und wirksam werden von Maßnahmen zur Kollisionsverhütung. Aber nur wenn wir das Schiff schnell sichten und nicht erst noch näher herankommen lassen. Also wieder einmal ein spannender Törn.

 

Die Funkverbindung zwischen Brücke und Navi Platz läuft heiß und dazu kommen immer wieder die Fähren die den selben Weg wie wir nehmen wollen.

 

 

 

Nach einigen Stunden haben wir es am frühen Abend geschafft und nehmen das altbekannte Fahrwasser von Calais nach Dünkirchen. Gegen 21:00 machen wir dort fest und feiern die ruhige Überfahrt bei einem leckerem Chilli con Carne.

 

28.5. Auf nach Hause

 

Das Wetter war auf dem gesamten Törn relative gut, aber der Wind will einfach nicht drehen. So machen wir uns bei NNE auf den Heimweg. Der reicht gerade eben um mit nur 3 „Holeschlägen“ Zeebrügge anlegen zu können. Allerdings laufen wir den Nordschlag zwischen Dünkirchen und Niewpoort unter Maschine. Man unterscheidet zwischen Hole-Bug (Schlag) und Streck-Bug (Schlag). Beim Holebug „Holen“ wir uns den Platz den wir brauchen um mit dem Streckbug das Ziel ansteuern zu können. Der Unterschied ist psychologischer Natur. Beim Streckbug fahren wir ENE Kurs und nähern uns Zeebrügge. Beim Holebug laufen wir NW Kurs, entfernen uns also wieder vom Ziel. Schön ist das die Strömung nach wie vor der Küste folgt und uns so doch wieder langsam in Richtung Ziel bringt.

 

 

 

Um 22:00 erreichen wir Zeebrügge und dürfen sofort mit Beratung durch Portcontroll unseren Liegeplatz anlaufen.

 

 

 

 

Warum?

 

Da die Meere sehr schwer zu überwindende Grenzen darstellen, für die Menschen, aber auch für die Tiere und Pflanzen, ändert sich die Länder, Häfen und Landschaften sehr schnell. Wenn wir den englischen Kanal als extrem Beispiel nehmen, dann ändert sich zwischen Calais und Bolgne sur mer die Landschaft tiefgreifend. Von Sandstrand und Dünen zur Steilküste. Auf die andere Seite nach Dover ändert sich dabei nicht ganz soviel. Wobei hier die Wälder grüner und die Natur feuchter wirkt als in der Picardie. Dafür sind in Dover die Menschen und die Kultur um einiges anders als an der französischen Küste. Das macht hier einen Großteil des Reizes der Reise aus.

 

 

 

Bei diesem Törn haben wir ca. 170 Sm zurückgelegt. Dabei haben wir verschiedenen Landschaften und Gegenden besucht. Von diesen Eindrücken werden wir noch eine Weile was habe…..